Diese Empfehlungen wurden am 13.02.2026 der Kultusministerkonferenz (KMK) übermittelt.

Wir freuen uns, dass dieses Policy-Paper offiziell (mit Schreiben vom 19.02.2026) in den Arbeitsprozess der KMK aufgenommen wurde. Die KMK entwickelt in diesem Jahr neue Standards für die Lehrkräftebildung. Unsere Eingabe betrifft den künftigen triadischen Lernraum (Lernende im Gespräch - durch KI inspiriert), in dem dialogische Kommunikation eine Schlüsselrolle spielen wird.
Beratungszentrum für Kommunikationspädagogik in Kooperation mit dem Berufsverband Sprechen (BVS e.V.)
Dieses Policy-Paper wird auch unterstützt von:
Berufsverband Sprechen und Kommunikation in Niedersachsen, Hessen, Hamburg und Bremen e.V.
Weitere Verbände und Institutionen folgen.
Wenn auch DU diese Empfehlung an die KMK unterstützen möchtest, schreibe eine E-Mail mit dem Betreff "Unterstützung der KMK Empfehlung" an: info@bertramthiel.com
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Das Begleitschreiben für die KMK-Eingabe:
An die mit der Neufassung
der Standards für die Lehrerbildung (KMK 2026)
betrauten Personen und Institutionen
Begleitschreiben für KMK-Eingabe
Sehr geehrte Damen und Herren,
die fortschreitende Digitalisierung und der breite Einsatz Künstlicher Intelligenz verändern die Grundlogik schulischer Bildung. Wissen ist jederzeit verfügbar – entscheidend wird daher die professionelle Gestaltung von Lern-, Dialog- und Sinnräumen.
Vor diesem Hintergrund bedarf die Lehrerbildung einer strategischen Neuausrichtung: von einer primär methodenorientierten hin zu einer konsequent kommunikationspädagogischen Professionalisierung.
Lehrkräfte sind künftig weniger Wissensvermittler als dialogorientierte Lernbegleiter. Ihre Kernkompetenz liegt in Beziehungsgestaltung, Gesprächsführung und der Moderation triadischer Lernräume, in denen Lehrende, Lernende und KI produktiv zusammenwirken.
Diese neue Rolle erfordert eine systematische Verankerung von Dialogkompetenz, Kommunikationsethik und professioneller Gesprächsfähigkeit in allen Phasen der Lehrerbildung.
Wir empfehlen daher, die überarbeiteten KMK-Standards um folgende Elemente zu erweitern:
1. Gesprächsfähigkeit als Basiskompetenz professionellen Lehrerhandelns – mit verbindlichen Modulen zu Dialogkompetenz, Konfliktgesprächsführung und Feedbackkultur.
2. Dialogische Didaktik als Leitprinzip: Unterricht wird primär als Interaktions- und Sinnbildungsprozess verstanden.
3. Triadische Kommunikation (Lehrkraft – Lernende – KI) als neues Kompetenzfeld mit curricular verankerten KI- und Prompt-Kompetenzen.
4. Kommunikationspädagogische Praxisformate wie Gesprächslabore, Reflexionsdialoge und simulationsgestützte Trainings.
5. Dialogische Diagnostik und Beratung, einschließlich KI-gestützter Verfahren und menschlicher Deutungskompetenz.
6. Schulentwicklung als Kommunikationsprozess mit Fokus auf partizipative und dialogische Organisationskultur.
Bildung im 21. Jahrhundert wird dort wirksam, wo Menschen sich verständigen, reflektieren und gemeinsam Sinn erzeugen. Technologie verändert Werkzeuge – Dialog gestaltet Zukunft.
Eine zukunftsfähige Lehrerbildung muss daher Kommunikation und Beziehungskompetenz ins Zentrum ihrer Standards rücken.
Unsere ausführlichen Überlegungen für die Neufassung der Standards für die Lehrerbildung finden Sie im Anhang.
Mit freundlichen Grüßen
Roland W. Wagner (Vorsitzender des BVS)
Bertram Thiel (Leiter des Beratungszentrums für Kommunikationspädagogik)
Inhalt des Policy-Papers an die KMK (Auszug):
Handlungsempfehlungen an die KMK [Punkt 8]
1. Explizite curriculare Verankerung kommunikativer und sprecherischer Kompetenzen in den Standards der Lehrer:innenbildung
2. Definition verbindlicher Mindeststandards für die Sprecherziehung (einschließlich Stimmprävention und dialogischer Kompetenzen)
3. Integration in die Bildungswissenschaften als Pflichtbestandteil
4. Strukturelle Kopplung an Praxisphasen durch dialogbasierte Ausbildungsformate
5. Qualitätssicherung durch fachlich qualifizierte Expert:innen (Sprechwissenschaft, Sprecherziehung, Stimmtherapie, Kommunikationspädagogik) sowie gemeinsame Standards für Aus-, Fort- und Weiterbildung.
6. Verankerung triadischer Kommunikationskompetenz (Lehrkraft - Lernende - KI), damit dialogische Bildung auch in KI-gestützten Lernumgebungen professionell, ethisch und beziehungsorientiert gestaltet wird.
7. Forderung und Förderung einer kontinuierlichen Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit.
Schlussbemerkung
Professionelle Kommunikation ist kein „Soft Skill“, sondern eine strukturtragende Basiskompetenz schulischer Bildung. Stimme, Sprechen und Dialog sind keine Randthemen, sondern konstitutive Voraussetzungen für Unterrichtsqualität, Beziehungs-gestaltung und schulische Wirksamkeit.
Eine zukunftsfähige Lehrer:innenbildung im 21. Jahrhundert benötigt daher – gerade in einer Zeit des Wandels und gesellschaftlichen Umbruchs – nicht nur digitale Kompetenzen, didaktische Innovationen und Fachlichkeit, sondern eine systematische Professionalisierung der sprecherischen und kommunikativen Kernkompetenzen des Lehrerberufs.
Die Überarbeitung der KMK-Standards bietet die historische Chance, diese strukturelle Leerstelle zu schließen und Kommunikation als das zu verankern, was sie im schulischen Alltag längst ist: das tragende Fundament von Bildung und Demokratie.
Heidelberg, im Februar 2026
Berufsverband Sprechen e. V.
Beratungszentrum für Kommunikationspädagogik